Fachgruppe Physik

Kepler's Moon puzzle – A historical context for pinhole imaging

06.04.2026|15:35 Uhr

In der europäischen Astronomie des 16. Jahrhunderts war es üblich, Sonnenfinsternisse zu nutzen, um die Größen von Sonne und Mond mithilfe von Lochkameras zu bestimmen. Die Erschließung des Monddurchmessers aus dem konkaven Randstück der teilverdeckten Sonne führte jedoch zu Werten, die rätselhaft blieben, solange keine Theorie der Lochkamera existierte, die den Einfluss der Lochblende korrekt berücksichtigte. Auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam geworden führte der junge Johannes Kepler am 10. Juli 1600 Messungen während einer Sonnenfinsternis in Graz durch. Nur wenige Tage später präsentierte er in seinen Aufzeichnungen eine vollständig ausgearbeitete Theorie der Lochkamera, die bis heute gültig ist. In unserem Artikel zeichnen wir den historischen Weg zur Formulierung dieser Theorie anhand ausgewählter Originalarbeiten von Johannes Kepler und Tycho Brahe nach und stellen eine Reihe veranschaulichender Experimente vor, die sich auch für den schulischen Einsatz eignen. Die damit präsentierte Episode aus der Geschichte der Optik dient zugleich auch als exemplarische Fallstudie, mit der Nature of Science-Aspekte im Physikunterricht reflektiert werden können.

 

Quick, T. & Grebe-Ellis, J. (2025): Kepler's Moon puzzle – A historical context for pinhole imaging
Am. J. Phys. 93, 215–222 (2025)
https://doi.org/10.1119/5.0228366